Im Jahre 1903, fand sich eine Gruppe von Männern unter Führung des Gendarm Wittge bereit, uneigennützig in den Dienst der Allgemeinheit zu treten. Sie gründeten die Freiwillige Feuerwehr in Stuhr.

Diese Männer, die namentlich nicht mehr bekannt sind, hatten den Gedanken, das Feuerlöschwesen in Stuhr zu verbessern.
Durch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr wurde ein geordnetes Feuerlöschwesen in der Gemeinde geschaffen. Daß die freiwilligen Feuerwehrmänner gut ausgebildet und gut eingespielt waren, beweist der Zeitungsbericht aus dem Jahre 1904.
Stuhr, 6. Juni 1904 – Zum Stiftungsfest der Feuerwehr am letzten Sonntag war die Einwohnerschaft in einer freudigen Stimmung. Der große Festzug der Feuerwehr mit der Heiligenroder Kapelle an der Spitze, nahm um 3 ½ Uhr bei dem Bellmannschen Wirtshause in Moordeich seinen Anfang. Auf dem Wege nach Stuhr schmückten Ehrenpforten und Fahnen das Dorf.
Als Gäste waren die „Freiwillige Turnerfeuerwehr Delmenhorst“ und die „Mackenstedter Feuerwehr“ erschienen.
Auf dem Schulplatz führte dann die Wehr unter Leitung des Hauptmanns Buschmann Übungen vor, welche gut ausgeführt wurden. Dann wurde auf ein gegebenes Signal ein Scheinangriff auf ein Gebäude unternommen.
In dem darauf folgenden Kommers dankte der Hauptmann der Delmenhorster Wehr für den warmen Empfang und sprach seine Anerkennung über die vorzügliche Organisation der jungen Wehr aus. Der Hauptmann der Mackenstedter Wehr rühmt die Fixigkeit der Stuhrer Wehr. Er endete mit einem Toast auf die beiden Oldenburger Wehren. Nach Beendigung des Kommerses begann der Feuerwehrball. Nachdem alle tüchtig getanzt und „gelöscht“ hatten, ging es mit einem „Gut Schlauch“ heimwärts nach Muttern.
Stuhr, 7. Juni 1904 – Nachdem unsere Feuerwehr am Sonntag ihr zweites Stiftungsfest gefeiert hatte, musste sie gestern in ernste Tätigkeit treten. Um 10 Uhr stiegen in der Richtung auf Varrel Rauchwolken auf. Die Feuerwehr eilte sofort hin. In Tengel brannte das Haus des Bezirksvorstehers Behlmer, welches auf bis jetzt ungeklärter Weise in Brand geraten war. Im Nu stand das ganze Vorderhaus in Flammen. Nur eine Tochter des B. war zu Hause. Die Feuerwehr konnte wenig mehr retten, nur das Vieh wurde aus dem brennenden Hause herausgeschafft. Dasselbe brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder. Herr Behlmer hatte das Eingut nur niedrig versichert. Das Haus war ein stattliches Gebäude und erst vor 15 Jahren gebaut.
Dass es seinerzeit schon „preussisch korrekt“ zuging, zeigt uns ein Mitgliedsausweis der Feuerwehr Stuhr aus dem Jahre 1907. In dem damaligen „Feuerwehr-Paß“ des Oldenburgischen Landesfeuerwehr-Verbandes wurden neben der Anbringung eines Passbildes und Eintragung der persönlichen Daten auch die in Empfang genommenen Dienstkleidungsstücke eingetragen.

Ein weiterer Zeitungsbericht aus dem Jahr 1910 geht auf einen Brand in Moordeich ein:
Moordeich, 5. Juni 1910 – (Blitzschaden). Infolge eines Blitzschlags wurde heute Morgen das Wohnhaus des Landwirts Herm. Imhoff hierselbst total eingeäschert. Imhoff und Frau waren verreist, der Knecht und die Magd allein zu Hause. Die Wehren von Stuhr und Mackenstedt waren bald zur Stelle, vermochten jedoch an dem mit Stroh gedeckten Gebäude nichts mehr zu retten; es war alles ein Flammenmeer, Verbrannt sind sämtliche Mobilien, 1 Kuh und 2 Kälber, einige Schweine, ein Pferd erlitt erhebliche Brandwunden. Eine nebenstehende Scheune konnte gerettet werden.
Zur erfolgreichen Brandbekämpfung war aber nicht nur der Einsatzwille und die Bereitschaft zur Hilfeleistung gegenüber den in Not geratenen notwendig, sondern es mussten auch die erforderlichen Geräte vorhanden sein.
Dass auch die Technik im Feuerlöschwesen nicht still stand, versteht sich fast von selbst. So wurde im Jahre 1924 eine ebenfalls von Pferden gezogene Motorspritze angeschafft.
Die alte Handdruckspritze wurde dann in Gut Varrel stationiert, wo heute noch das Gerätehaus vorhanden ist.


