Unabhängig von allen politischen Wandlungen setzte sich im Mai 1945 die Erkenntnis durch, der Brandschutz muß wieder sichergestellt werden. Am 13.Mai wurde wieder ein KreisFeuerwehrbeauftragter eingesetzt, der mit den noch vorhandenen bisherigen Mannschaften und Geräten die Feuerwehr einen Wiederaufbau organisieren sollte. Er unterstand direkt der Militärregierung, empfing von dort Anweisungen und war Ihnen rechenschaftspflichtig.
Der Kreis-Feuerwehrbeauftragte ordnete durch Rundschreiben an, die jetzt wieder Freiwilligen Feuerwehren, sollen ihre Brandschutz- und Übungstätigkeit wieder wie früher aufnehmen, vorhandenes Gerät einsatzfähig halten, Gerätehäuser, soweit erforderlich, wieder herrichten usw. Teilweise wurden der Militärregierung nicht genehme Wehrführer abgesetzt und durch andere geeignete Mitglieder der Wehren ersetzt. Generell galt aber, daß alle Wehrführer wieder an die Spitzen der Wehren treten sollten. In dieser Zeit bestand eine nächtliche Ausgangssperre, deshalb mußte bei Nachteinsätzen unbedingt die Feuerwehruniform als Ausweis getragen werden, um sich auf der Straße aufhalten zu dürfen.
Ein weiterer Einschnitt in die Freiwillige Feuerwehr Heiligenrode war die Beschränkung der Mannschaftsstärke auf 18 Mann, die überzähligen Mitglieder sollten zu den passiven Mitgliedern gezählt werden. Bei 50 Mitgliedern in der Wehr, 11 von ihnen waren aus dem Krieg zurück gekehrt, war es schon ein Problem. Die höhere Mitgliederzahl von 50 Mann im August 1945 gegenüber von 41 Mann in den Kriegsjahren deutet daraufhin, daß die zum Notdienst verpflichteten Bürger der Feuerwehr treu geblieben sind. Die Sollstärke wurde bei den notwendigen Meldungen eingehalten und der Zusammenhalt der aktiven mit den angeblich passiven Feuerwehrkameraden waren zweierlei Dinge, die Heiligenroder Feuerwehrmänner verstanden und halfen sich gegenseitig. Dieser Zusammenhalt in der Kameradschaft hat sicherlich niemandem geschadet.

Zum Neuanfang fehlte die von den britischen Truppen entführte Motorspritze. Wenn sie nicht bei den Engländern kaputt gegangen ist, tut sie bei einer anderen Feuerwehr ihren Dienst oder sonstwo, nur nicht in Heiligenrode. Man mußte sich mit der noch vorhandenen alten Handdruckspritze behelfen. Bei dem Abzug der Besatzungstruppen stellte man fest, daß an einer Stelle, an der sich ein Camp befunden hatte, einige Motorspritzen „herrenlos“ umher standen. Man organisierte sich eine und stellte sie erst einmal in Heiligenrode (aber auch für Heiligenrode) sicher. Auf ähnlicher Art „erschien auch ein Spritzenanhänger. Auf Antrag stellte die Militärregierung einen größeren Personenwagen ( aus dem Bestand der Kriegsbeute) als Zugfahrzeug zur Verfügung. Somit war die Brandschutzausrüstung wieder komplett vorhanden, doch die Kraftstoffvorräte für das Fahrzeug und die Motorspritze waren weiterhin knapp . Die Geräte, einschließlich des Zugfahrzeuges waren in der Kirchenscheune untergestellt.

Die Wehr hat mit viel Elan und gutem Willen die schweren Zeiten überstanden und es traten nach und nach neue Mitglieder ein, insbesondere waren es jüngere Männer, die das aus den Kriegsjahren stammende hohe Durchschnittsalter erheblich verjüngten. Im Laufe des Jahres 1945 übernahm Friedrich Bielefeld die Wehrführung und trug ab sofort den Titel Gemeindebrandmeister. Er löste den Hauptmann Heinrich Bruns ab, der auch wegen seiner Tätigkeit als Bürgermeister der Gemeinde Heiligenrode, auf eine weitere Tätigkeit als Wehrführer verzichtete. Unter der Führung von Friedrich Bielefeld wurde die Wehr zügig weiter ausgebaut.

Die Wehr beantragte den Ankauf eines „richtigen“ Feuerwehrfahrzeuges, welches die Berufsfeuerwehr Bremen als gebrauchtes Fahrzeug zum Verkauf anbot.

Feuerwehrfahrzeug 1948 von Berufsfeuerwehr Bremen erworben
Feuerwehrfahrzeug 1948 von Berufsfeuerwehr Bremen erworben

Das Fahrzeug der Militärregierung (PKW Horch) war altersschwach und nicht gut geeignet. Der Preis für das angebotene und gekaufte Fahrzeug, ein Opel-Mannschaftswagen mit Anhänger, betrug 1.295,00 DM. Weil das für die Gemeinde so kurz nach der Währungsreform sehr viel Geld war, verkaufte man in der Bevölkerung Anteilsscheine im Werte von 10,00 DM, dabei kamen 480,00 DM zusammen. Gibt es einen besseren Beweis für die Zusammenarbeit einer Gemeinde, ihrer Bevölkerung und ihrer Feuerwehr ?
Nun befand sich die Wehr in der glücklichen Lage, eine der Zeit entsprechende moderne Spezialausrüstung zu haben. Die Unterbringung erfolgte zunächst beim Bürgermeister Dahnken. Erst 1952 kam ein Feuerwehrgerätehaus an der Hauptstraße. Die Gemeinde hatte sich zu diesem Bau entschlossen, weil die private Unterstellung wegen der Tag und Nacht notwendigen Einsatzbereitschaft und den damit verbundenen ständigen Übungen zu Belastungen führen, die auf die Dauer nicht verantwortet werden können.

Feuerwehrhaus aus dem Jahr 1952
Feuerwehrhaus aus dem Jahr 1952

Am 01. Juli 1951 feierte die Freiwillige Feuerwehr Heiligenrode ihr 50-jähriges Bestehen mit der Bevölkerung und befreundeten Wehren aus der Umgebung, ein großes Fest bei Sonnenschein und nicht wie vor 25 Jahren bei Regenwetter. Im Programm standen Schauübungen und ein großer Festumzug durch den Ort, an dem auch noch die alte Handdruckspritze von 1902 beteiligt war. Es wurde das restaurierte Ehrenmal für die gefallenen Kameraden eingeweiht und der Kreisbrandmeister Helmers, Brinkum, ehrte den ehemaligen Feuerwehrhauptmann Heinrich Bruns und den Kameraden Heinrich Müller für 50-jährige Mitgliedschaft. Beide waren auch Gründungmitglieder.