Die Motorisierung hielt ihren Einzug in die Feuerwehr Heiligenrode durch die Anschaffung einer Motorspritze (TS), es wurde auf der Gemeinderatssitzung am 11. August 1941 beschlossen eine Motorspritze anzuschaffen. Dabei spielten sicherlich auch die Ereignisse des Luftkrieges eine ausschlaggebende Rolle. „Die Anschaffung der Motorspritze für die Gemeinde Heiligenrode ist der Zeit entsprechend dringend erforderlich, wegen der Flieger- und Brandbombengefahr. Da im Haushaltsplan der Betrag nicht im Rechnungsjahr 1941 vorgesehen ist, wurde einstimmig beschlossen, den Betrag der Anschaffungskosten der Rücklage zu entnehmen durch Nachtrag im Haushaltsplan.“
Nachdem auch noch über den Landkreis beim Regierungspräsidenten ein Zuschuß beantragt wurde, der mit dem Erlaß vom 30.April 1942 bewilligt wurde, bestellte die Gemeinde am 01.Apri1 1943 eine Tragkraftspritze mit 800 1/min Leistungsfähigkeit bei der Firma Fischer in Görlitz. Am 21. Juli 1943 gelangte die Spritze vom Typ „Retterin“ gemeinsam mit einem Einachsanhänger, der auf Grund der Kriegszeit statt mit Luftbereifung Stahlscheibenräder mit Holzauflage und Eisenbereifung hatte, zum Versand nach Heiligenrode. Einschließlich der notwendigen Zusatzausrüstung ergab sich ein Gesamtnettopreis von 3.416,16 RM. Die Beihilfe des Regierungspräsidenten betrug 1.025,–RM, für die Gemeinde verblieb demnach ein Betrag von 2.391.16 RM

Ein lang gehegter Wunsch war in Erfüllung gegangen, jedoch rechte Freude kam wegen des Krieges nicht auf, denn die meisten, wehrfähigen Feuerwehrkameraden standen im Wehrdienst. Die Einsätze häuften sich durch die Luftangriffe nicht nur in Heiligenrode, sondern auch in den Nachbarorten und der Stadt Bremen, die unter den Luftangriffen besonders zu leiden hatte. Die kriegsbedingten Einschränkungen führten dazu, das durch eine Sondergenehmigung, ein ansich stillgelegtes Privatfahrzeug des Feuerwehrmannes Franz Meeuw, Klein Mackenstedt nur zu Einsätzen und spärlichen Übungsdiensten gefahren werden durfte, wegen der Treibstoffknappheit. Der Anhänger mit der Tragkraftspritze fand seinen Platz bei Meeuw in Kl. Mackenstedt . Die alte Handdrucksspritze stand noch beim Gastwirt Müller und fand noch gelegentlich Verwendung. Sie wurde irgendwann, nachdem zwischenzeitlich sie bei dem Feuerwehrmann Dietrich Hackfeld untergestellt war, nach 1951 für 75,- DM auf Beschluß des Gemeinderates, an einen Schrotthändler verkauft.

Allein in Heiligenrode mußte die Wehr während des Krieges für „normale“ und kriegsbedingte Brände zehnmal ausrücken, die Brände in den Nachbarorten nicht mit eingeschlossen. Nur ein Teil dieser Einsätze erfolgte seit Anfang August 1943 mit der neuen Motorspritze. Besonders schmerzlich für die Wehrmänner war es in den Tagen der Kampfhandlungen 1945, als durch unmittelbare Feindeinwirkung in Heiligenrode mehrere Brände ausgebrochen und die Wehr nicht ausrücken konnte, da sie sich sonst zwischen die Kampflinien begeben hätte. Hilflos mußte mancher Feuerwehrmann mit ansehen wie Häuser in der Nachbarschaft niederbrannten. Insgesamt brannten im Krieg in Heiligenrode 12 Wohnhäuser und 10 Stallungen mit Scheunen ab. Das betraf zum Beispiel auch das Anwesen Hollwedel an der Zollstraße. Hier verbrannten alle Unterlagen der Wehr, die der Schriftführer Hollwedel aufbewahrt hatte. Trotz dieses Verlustes sind aus den letzten Kriegsmonaten Rundschreiben des Kreisfeuerwehrführers erhalten, die, die verzweifelte Lage des Staates erkennen lassen in dem die Feuerwehren aufgefordert werden Frauen und Jugendliche zum Löschdienst auszubilden, weil selbst noch die Alterskameraden zum Wehrdienst einberufen werden sollten, was zum Glück in Heiligenrode nicht mehr zum Tragen kam.

Den monatlichen Lageberichten an den Kreisführer der Wehren war zu entnehmen, daß bei einer Sollstärke der Heiligenroder Wehr von 41 Mann nur 23 zur Verfügung standen, 16 waren eingezogen, dafür taten noch 4 Alterskameraden Dienst und 13 weitere Männer waren zum Notdienst herangezogene „Zivilpersonen“. Der Benzinbestand schwankte während des letzten Kriegsjahres im Schnitt zwischen 30 und 40 Liter pro Meldung.

Für manchen, der möglicherweise 12 Jahre vorher den „Aufbruch in eine neue Zeit“ auch für die Feuerwehr und die Stärkung ihrer Stellung innerhalb des Staates begrüßt haben mag, endete spätestens mit dem Chaos 1945 ein Traum, denn es gab ein böses Erwachen. Mit Beendigung der Kampfhandlungen in Heiligenrode kam die Zeit der kurzen Besetzung durch englische Truppen. Aus welchen Gründen auch immer, sie beschlagnahmten die Motorspritze und verwendeten sie für ihre Zwecke. Sie wuschen damit ihre Autos und entführten die Spritze, als sie in Bremen einrücken konnten, nach dort. Am Osterdeich wurde die „Retterin“ zum letzten Male gesehen, seitdem ist sie verschwunden und war für Heiligenrode verloren. Die Wehr wurde als staatliches Hilfsorgan, das bekanntlich durch die Unterstellung unter die Kommandogewalt des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei in den Ruf gebracht war, eine militärische Organisation zu sein, zunächst einmal verboten und aufgelöst. Damit war Heiligenrode völlig ohne Brandschutz, ähnlich erging es allen anderen Orten.