In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann man das Feuerlöschwesen zu organisieren und Männer für die Brandbekämpfung auszubilden. In den Städten stellten meist die Zünfte und Innungen oder Turnvereine die Löschmannschaften weil schon geordnete Strukturen vorhanden waren. Im ländlichen Raum bildeten sich die Freiwilligen Feuerwehren aus den teils vorhandenen Pflichtfeuerwehren oder aus Mitgliedern von meist Turnvereinen und Mitgliedern des Gemeinderates. Hier in Heiligenrode fanden sich überwiegend Mitglieder des Kriegervereines neben weiteren pflichtbewußten Männern des Ortes, zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenrode im April 1901 im Gasthaus Pleus (heute Meyerhof) ein. Möge auch das nachbarliche Beispiel aus Brinkum und Leeste, die wiederholt mit ihren modernen Spritzen zu Brandeinsätzen in unseren Ort gerufen wurden, zur Gründung einer eigenen Feuerwehr Anlaß gegeben haben.

In 1901 eine Freiwillige Feuerwehr in Heiligenrode gegründet wurde, die vermutlich durch die Polizeiverordnung vom 27.Sept. 1901 nochmals nach den neuen Vorschriften organisiert werden mußte . Bei der außerordentlichen Korpversammlung am 23. März 1902 war der Mitgliederstand schon von 24 Gründungsmitglieder auf 31 Mitglieder gestiegen, auch einige Funktionsstellen sind anders besetzt worden.

Bereits 1902 wurde eine „moderne“ Spritze in der Gemeinde angeschafft. Das Unterstellen der Spritze brachte einige Unruhe, da ja ein zentraler Standort gefunden werden sollte und auch für die Wagenspritze Pferdegespanne erforderlich waren. Bis zum Bau eines Spritzenhauses auf dem Lehmstich (Kronsbruch/Am Schlatt) stellte der Gemeindevorsteher Hake die Spritze in seiner Scheune, für ca 1 Jahr, unter. Mit dem Bau des Spritzenhauses auf dem Lehmstich war aber das Problem jedoch noch nicht beseitigt, denn es wollte dort kein Landwirt seine Pferde freiwillig vor die Spritze spannen und von der Möglichkeit einer amtlichen Verpflichtung wollte man wohl keinen Gebrauch machen. Wie dem auch sei.

Es mußten jedesmal Pferde aus dem Dorf heran geführt werden, wodurch wertvolle Zeit verloren ging. Das war ein Zustand der nicht lange aufrecht erhalten werden konnte. Deshalb hat später der Gastwirt Franz Müller (heute Klosterhof) die Spritze in einen Raum, den er dafür auf seinem Anwesen herrichtete, untergestellt. Nun gab es keine Zeitverluste bei der Anspannung der Pferde mehr, ob aber jetzt alle Probleme beseitigt waren ?

Von größeren Bränden in Heiligenrode wird in den Zeitungen nach 1901 nichts berichtet. Trotzdem gab es für die Feuerwehr keine ruhigen Zeiten, denn sie rückte oft zur Hilfe der Nachbarfeuerwehren bei Bränden in Bürstel, Groß Mackenstedt, Kirchseelte und Seckenhausen aus. Dabei kam es anfänglich zu echten Konkurrenzen zwischen den Wehren. Unter dem Datum des 16.Juli 1904 konnte man in der Zeitung lesen:

„Am vorigen Sonntag rückte die Mackenstedter Feuerwehr aus, um sich als erste wieder eine Prämie zu holen, mußte aber leider wieder umkehren, da der allmählich dünner werdende Rauch in der Richtung nach Obernheide sich verzog. Am Mittwoch entstand aber eine bedeutliche Rauchsäule in der Richtung nach Neukrug-Warwe und wurde per Telefon um „Hülfe“ gerufen. Die Mackenstedter waren wieder da, jagten durch unseren Ort in der Richtung des Feuerscheines: es war aber ein Heide und Moorbrand gewesen.“

Nach der Überlieferung beruhte die erwähnte „Prämie“ darauf, daß seitens Mackenstedts eine Prämie für den Fall ausgesetzt sein soll, daß die Mackenstedter, bei einem Brand in Heiligenrode zuerst Wasser gegeben hätten. Aber schon ab 1905 werden solche Töne, die auf die Rivalität der Wehren hinweisen, nicht mehr laut. Man hat wohl eingesehen, daß die zusammengefaßte Kraft der Wehren in gutem Einvernehmen im Ernstfall notwendig war und ist heute noch wichtiger denn je!

Im Sommer 1902 feierte die Feuerwehr ihr erstes Stiftungsfest, seither gab es Jahr für Jahr gesellschaftliche Veranstaltungen, die lediglich in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren ausfallen mußten. Seit dem Umzug der Spritze vom Lehmstich zum Gasthof Müller fanden die Feuerwehrbälle nunmehr im neuen „Vereinslokal“ statt. Die Bälle waren anfänglich nicht gut besucht, was sich aber in den Folgejahren änderte und zu guten Ballbesuchen führte.